In der modernen Lebensmittelproduktion und Pharmazie ist Sauberkeit kein Zustand, sondern ein kritischer Prozessparameter. Wer hier die falsche Entscheidung trifft, riskiert nicht nur die Haltbarkeit seiner Produkte, sondern gefährdet im schlimmsten Fall die gesamte Betriebserlaubnis. Lange Zeit galt in der Industrie das Dogma: „Je mehr Druck, desto sauberer das Ergebnis.“ Doch mit steigenden Anforderungen an die Lebensmittelhygiene und die Ressourceneffizienz hat ein massives Umdenken stattgefunden. Heute stehen sich verschiedene Philosophien gegenüber: Die klassische Hochdruckreinigung und geringere Drücke. Doch welche Methode ist für industrielle Anwendungen speziell in der lebensmittelverarbeitenden Branche wirklich überlegen?
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Der mechanische Ansatz: Was Hochdruckreinigung leisten kann – und wo sie scheitert
Die Hochdruckreinigung, meist definiert durch einen Arbeitsdruck von über 80 bis hin zu 200 bar, setzt primär auf mechanische Gewalt. Das Ziel ist es, Verschmutzungen durch die kinetische Energie des Wasserstrahls von der Oberfläche zu „schießen“. In Außenbereichen oder bei der Reinigung von schweren Baumaschinen ist dieser Ansatz durchaus sinnvoll. In einer sensiblen Produktionsumgebung jedoch zeigt die Hochdruckreinigung gravierende Schwachstellen:
1. Die Aerosol-Problematik: Wenn ein Wasserstrahl mit Hochdruck auf eine Oberfläche trifft, zersplittert er in Millionen kleinster Tröpfchen. Diese Aerosole bilden einen feinen Nebel, der Stunden in der Luft verbleiben kann. Das Problem: Diese Tröpfchen tragen Mikroorganismen und Schmutzpartikel mit sich. Was am Boden
weggeschossen wird, landet über den Luftweg auf bereits gereinigten Maschinen oder Deckenkonstruktionen. Durch wenig Wassermenge mit hohem Druck ergibt sich zudem eine unvorteilhafte Arbeitshaltung bei geringen Spritzabständen. Entfernt man die Düse zu weit von der Oberfläche entsteht nur noch Wassernebel, geht man zu nah dran, kommt der nachfolgende Punkt ins Spiel.
2. Materialverschleiß: Ferner wird die zu reinigende Oberfläche durch die hohe Flächenpressung mechanischem Verschleiß ausgesetzt, besonders kritisch bei Fugen, Silikonfugen, Display oder Maschinenbauteilen. Moderne Anlagen sind vollgestopft mit Sensorik, empfindlichen Dichtungen und anderen sensiblen Bauteilen oder Oberflächen. Ein direkter Treffer mit Hochdruck kann Wasser in Gehäuse pressen, die eigentlich spritzwassergeschützt sind, aber keinem massiven Druck standhalten. Die Folge sind teure Elektronikschäden und korrodierende Lager.
3. Der Rebound-Effekt: Schmutz wird oft nicht entfernt, sondern nur verlagert. Durch die hohe Geschwindigkeit des Wassers spritzen der Unrat und die unerwünschten Mikroorganismen unkontrolliert in Ecken und Nischen, die manuell kaum noch zu erreichen sind – ein idealer Nährboden für Biofilme.
Der Gegenentwurf: Niederdruckreinigung
Die Niederdruckreinigung, die üblicherweise im Bereich bis 25 bar arbeitet, verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Hier ist das Wasser nicht die primäre Waffe, sondern das Transportmedium und die sanfte Spülkraft. I.d.R. werden große Wassermengen pro Minute mit hoher Schwemmleistung eingesetzt.
1. weniger Druck bei mehr Wasser – der Trugschluss
Klingt zunächst schonend, ist es aber nur bedingt. Die Aufprallkraft setzt sich aus einem mathematischen Verhältnis aus Wassermenge und Druck zusammen. Wird ein Faktor verkleinert und der andere jedoch drastisch erhöht, bleibt das Ergebnis gleich – ein potentiell gefährdender Wasserstrahl mit hoher Aufprallkraft. Wird die Wassermenge nicht zu sehr erhöht (Wasser- und Abwasserkosten, Umweltschonung) ist eine schlechtere Reinigungsleistung bei hartnäckigen Verschmutzungen zu erwarten. Unnötig lange auf eine verschmutzte Stelle sprühen zu müssen bedeutet dann in Summe doch wieder einen hohen und heutzutage nicht mehr tragbaren Wasserverbrauch.
2. drastische Reduktion der Kreuzkontamination
Bei der Niederdruckreinigung entstehen aufgrund weniger Druck und des somit langsameren Wasserstrahls kaum Aerosole. Das Risiko, Keime von einer unsauberen Zone in eine saubere Zone zu wirbeln, wird minimiert. Dies ist ein entscheidender Faktor für Betriebe, die nach IFS (International Featured Standards) oder BRC zertifiziert sind.
Die Evolution der Sauberkeit: Ein völlig neuer Denkansatz - Der Mitteldruckbereich, die Kombination beider Vorteile ohne deren lästigen Nachteile
Der Erfolg der Mitteldruckreinigung basiert auf dem sogenannten „Sinnerschen Kreis“, der die vier Faktoren Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit kombiniert. Wird der Faktor Mechanik (Wasserstrahl) nicht zu sehr gesenkt, müssen in dessen Folge die anderen “Kuchenstücke” nicht unwirtschaftlich stark vergrößert werden. Ein gesundes Mittelmaß – mit beeindruckenden Ergebnissen für die Lebensmittelhygiene. Im Mitteldruckbereich, von der Firma Bobby in Bad Dürkheim vor vielen Jahrzehnten geprägt, arbeitet man i.d.R. im Bereich zwischen 35 und 60 bar. Hier lassen sich die Vorteile aus Niederdruck und Hochdruck vereinen, eine optimale Wassermenge mit ausreichender Schwemmwirkung (nicht zu viel, nicht zu gering), welche bei genügend Kraft (nicht zu viel Druck, nicht zu wenig) Verschmutzungen effizient löst und abtransportiert. Gleichzeitig entsteht wenig bis kein Aerosol und es wird keine utopische Menge an kostbarem und kostenintensiven Rohstoff Trinkwasser verschwendet.
Lebensmittelhygiene und Arbeitssicherheit: Ein unschlagbares Duo
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Ergonomie. Das Arbeiten mit Hochdrucklanzen ist körperlich anstrengend. Der massive Rückstoß belastet Gelenke und führt zu schneller Ermüdung der Mitarbeiter, was wiederum die Gründlichkeit am Ende einer Schicht sinken lässt. Systeme für die Niederdruckreinigung oder die Mitteldruckreinigung sind deutlich leichter zu händeln. Die Lanzen sind führiger, der Rückstoß ist kaum spürbar. Die Arbeitshaltung verbessert sich, da die Spritzabstände zwischen Düse und zu reinigender Oberfläche größer werden können, da der Wasserstrahl nicht so schnell zerstäubt. Dies führt zu einer gleichbleibend hohen Reinigungsqualität über den gesamten Schichtverlauf hinweg. Zudem sinkt die Verletzungsgefahr durch ausgeschleuderte Partikel oder unkontrollierte Wasserstrahlen gegen den Körper. In Bezug auf HACCP und Lebensmittelhygiene bietet der Mitteldruck die besten Chancen der Reproduzierbarkeit, Effizienz und Umweltschonung. Während man sich im Niederdruck schnell an der Grenze zur Wasserverschwendung befindet, variiert das Ergebnis bei Hochdruck stark dadurch, wie präzise der Mitarbeiter den Strahl einsetzt und wie stark das entstehende Aerosol zu einer Rückkontamination führt. Im Mitteldruckbereich ab 35 bar Druck können sich zusätzlich die Vorteile der druckluftfreien Schaumreinigung addieren. Siehe hier:
Fazit: Welches System gewinnt?
Die Antwort ist eindeutig, wenn man den Fokus auf Lebensmittelhygiene legt: Die Mitteldruckreinigung ist hier meist das überlegene System.
Sie kombiniert den Schutz wertvoller Maschinen mit einer überlegenen mikrobiologischen Sicherheit durch die Vermeidung von Aerosolen bei gleichzeitiger Ressourcenschonung. Hierdurch können engagierte Betriebe tatsächlich Ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren und Umweltschonung wird nicht nur zum Werbeslogan. Die Hochdruckreinigung behält ihre Berechtigung überall dort, wo überaus hartnäckige Verschmutzungen behandelt werden müssen oder wo Chemikalieneinsatz beispielsweise nicht möglich ist. Wer heute in eine neue Reinigungsstrategie investiert, investiert nicht nur in Wasser und Druck, sondern in die Sicherheit seiner Produkte. Die Umstellung auf ein optimal angepasstes Verfahren ist oft der schnellste Weg, um sowohl die

